Carnuntum Youngsters Teil II

Immer mehr junge Weinmacher in Carnuntum haben Lust darauf, das ganze Potenzial ihrer Weingärten zu entdecken. Voller Tatendrang konzentriert sich diese Generation gemeinsam mit ihren elterlichen Wegbereitern wie noch nie darauf, auch künftig noch mehr Besonderheiten der Carnuntiner Böden ins Glas zu bringen.

Karoline Taferner (28) hat zwar schon früh begonnen, im 18 Hektar großen elterlichen Betrieb in Göttlesbrunn mitzuhelfen, die Faszination für Wein kam allerdings erst später. Und zwar am anderen Ende der Welt. Neben einem erfolgreichen Weinbaustudium an der Universität für Bodenkultur hat sie nach einem Aufenthalt in Neuseeland kürzlich auch in Australien ein Praktikum absolviert. Ganz besonders haben es ihr die Burgundersorten  angetan. Wissen, dass sie nun zu Hause in ihren Lagen-Burgunder einfließen lässt. Auf der Göttlesbrunner Lage Schüttenberg fühlen sich die Chardonnay-Trauben ganz besonders wohl. Karoline achtet bei der Ernte auf eine sehr sorgfältige Lese, jede Traube wird von Hand gepflückt und spontan vergoren. Der Wein wird nur minimal geschwefelt. Würzig wie Kräuter und feine Anklänge von verschiedenen Früchten zeichnen seinen Geschmack aus. Ein balanciertes Spiel von Komponenten, das Karoline präzise erklärt und sie ins Schwärmen geraten lässt: „Rebsorte, Boden und Lage – alle drei möchten wir in unseren Weinen unverfälscht zeigen. Wein zu machen ist für mich ein Privileg. Ob im Weingarten, im Weinkeller oder im Verkostungsraum – ich genieße, was ich tue.“Genuss mit Erfolg, denn kein anderer Chardonnay 2015 wurde von Falstaff oder A la Carte besser bewertet.

Auch Ernst und Markus Lager (36) gehen zusammen ans Werk. Gemeinsam bewirtschaften Vater und Sohn nicht nur ihre 8,5 Hektar Anbaufläche rund um Göttlesbrunn, sondern teilen sich auch die Arbeit im Weingarten und im Keller.

Von der Lese bis zur Füllung, alles in Absprache, alles Hand in Hand. Bei den Weißweinen betonen die beiden gerne die frische Fruchtigkeit – eine Eigenschaft, die den Sauvignon Blanc, den Gelben Muskateller oder  den Weißburgunder des Weinguts besonders auszeichnen –, bei Rotweinen steht für Ernst und Markus Lager vor allem die Lagenbeschaffenheit im Vordergrund.

Die Trauben für ihren Merlot ziehen sie am Rosenberg bei Göttlesbrunn: „Sand- und Schotterböden bieten an dieser Stelle die besten Voraussetzung für den Merlot“, sind sich beide Winzer einig.“Wir wollen der Rebe nicht vor-enthalten, was sie für ein optima-les Ergebnis braucht.“

Nach sorgfältiger Handlese erfolgt die Vergärung in Bottichen, zur Reifung geht es für den Wein bis zu 15 Monate ins Holzfass: „Das bewahrt nicht nur den Merlot-Charakter, der Wein wird damit auch lagerfähiger“, erklärt Markus Lager und sein Vater ergänzt: „Mit dem 2015er Merlot werden wir die Lagenherkunft noch deutlicher unter-streichen.“ 

Vom vortrefflichen Geschmack ihrer Weine kann man sich direkt am Weingut überzeugen – die Buschenschank der Familie Lager befindet sich direkt am Weingut in Göttlesbrunn.

Rote Sorten sind auch bei dem sympathischen Höfleiner Weinmacher Peter Artner(31) Trumpf. Ob reinsortig oder als Cuvée, die Rotweine des 40 Hektar großen Weinguts Artner besetzen nicht nur häufig die vorderen Plätze namhafter Wettbewerbe, sondern besitzen vor allem ein bezeichnendes Merkmal: Ausdruck. „Wir konzentrieren uns auf Sorten und Weine, die am besten zu uns und unserem Gebiet passen“, erzählt Artner. „Kräftig, aber niemals überladen.“ Um ideale Resultate zu erhalten, schwört der leidenschaftliche Winzer auf den richtigen Mix von „Lage, Sorte und eigener Handschrift“, denn: „Nur, wer die Lagen-Beschaffenheit kennt, kennt auch ihr Potenzial.“ Der Blaufränkisch, auf den Peter Artner besonders stolz ist, wächst im Kirchweingarten bei Höflein auf schwerem Lehm mit viel Kalk. „Die Trauben lieben diesen Boden und ergeben einen Wein, ohne Zutun, genau so wie ich ihn mir vorstelle: Würzig, vielschichtig mit einem herrlichen Trinkfluss.“

Auch der Spitzerberg im Osten Carnuntums, mit seinen warmen Südhängen und seinen Böden reich an Muschelkalk bietet exzellente Voraussetzungen für Blaufränkisch. Hier entstehen besonders elegante und filigrane Weine. „Es ist das Gesamtpaket des Spitzerbergs, das ihn so außergewöhnlich macht“, erzählt Klemens Pelzmann (19) begeistert. „Ein Grund für mich, mich dieser Lage und Sorte künftig noch mehr zu widmen.“ Zwar hilft Klemens bereits seit drei Jahren am 14 Hektar großen elterlichen Weingut Pelzmann mit, nach Absolvierung der Höheren Bundeslehranstalt für Wein- und Obstbau ist er aber seit Juni 2017 voll eingestiegen. Gemeinsam mit Vater Horst Pelzmann will er bei der Weinbereitung auch neue Richtungen einschlagen: „Ohne Tunnelblick“, dafür mit einer „Mischung aus Erfahrung und viel Bauchgefühl“.