Carnuntum DAC

In Carnuntum lässt man den Dingen genau so viel Zeit, wie sie brauchen. Der Satz „Gut Ding braucht Weile“ ist Teil der regionalen Identität. So ist es nur logisch, dass die Carnuntiner auch in Sachen DAC keine voreiligen Entschlüsse trafen. Jetzt haben sie eine gut durchdachte und umfassende Neustruktur des Gebietes vorgelegt.

16 Jahre Vorbereitung

2003 wurde das Konzept „Districtus Austriae Controllatus“ oder „kontrollierte österreichische Herkunftsbezeichnung“ aus der Taufe gehoben. Das Weinviertel war Pionier. Seither folgten Kremstal, Kamptal, Traisental, Eisenberg, Wien, Leithaberg, Mittelburgenland, Neusiedlersee, Rosalia und schließlich die Steiermark mit Vulkanland, Weststeiermark und Südsteiermark.

16 Jahre nach dem Weinviertel ist nun also auch Carnuntum bereit. Die lange Zeit war notwendig. Die Winzer haben es sich nicht leicht gemacht, denn es sollte nicht bloß eine Lösung sein, um „auch“ ein DAC zu haben. Und es sollte auch nicht eine „diktierte“ Lösung sein. Zielsetzung war vielmehr, eine solide und nachhaltige Struktur zu schaffen, die dem Gebiet auf viele Jahre ein klares Profil verleihen sollte. Wichtig war auch, dass sämtliche Winzer – von den international renommierten Gütern bis zu den lokalen Heurigenbetrieben – die neue Struktur mittragen und ihren Platz in der Herkunftspyramide finden. Seit drei Jahren fanden monatliche Jour Fixes für sämtliche Produzenten statt, in denen viel diskutiert, die Für und Wider abgewogen wurden, und oft genug bereits Definiertes wieder verworfen wurde. Denn:

Es ging um nichts Geringeres als um die Identität des Gebietes. 

Und diese lässt sich nicht schnell mit einer Sorte festmachen. Denn Carnuntum ist zwar klein, aber diverse Rot- und Weißweine halten sich die Waage. Die Sortenlandschaft ist vielfältig, die Bodenstrukturen sind es ebenfalls. Da gibt es wasserspeichernde Sedimentböden aus den Zeiten des Urmeeres, an dessen ehemaligen Küsten sich pure Kalkhänge finden. Entlang des einstigen Flusslaufs der Urdonau ziehen sich weite Felder mit Jahrmilllionen altem Donauschotter durch das Gebiet, während an den Karpatenkanten Granit und Gneiss in den Vordergrund treten. Und so mancher Landschaftshügel ist mit Löss aus den Eiszeiten überzogen.

Wie soll man in einem Gebiet, das über Millionen von Jahren so viele Akzente erhalten hat, eine eindeutige Antwort auf die Frage finden: Was ist typisch Carnuntum?

An der Spitze begonnen

Während anderswo die Schaffung des DAC als eine gemeinschaftliche Marketingmaßnahme für Basisweine verstanden wurde, ging man in Carnuntum die Sache schließlich von ganz oben an. In zahlreichen Degustationen und Diskussionen analysierten die Winzer ihre Einzellagen: Welches sind die besten Weine des Gebietes und warum? Welche Weine haben international die größte Bekanntheit, welche werden als die eindeutigsten Botschafter des Gebietes erkannt? Aus welchen Sorten sind diese Weine gemacht? Welche Sorten drücken welche Einzellagen am besten aus?

Die Antworten auf diese Fragen führten zu einem klaren Gebietsprofil. Denn, und das war allen recht bald klar, die besten Weine des Gebietes müssen Teil des Carnuntum DAC sein.

 

Was heißt Carnuntum?

Zukünftig können nur jene Weine den Namen Carnuntum tragen, die der gemeinsam definierten Stilistik entsprechen. (Alle anderen Weine zeigen Niederösterreich als Herkunft auf dem Etikett).

Carnuntum sind Rotweine, die dominant (mindestens 2/3) aus Zweigelt und /oder Blaufränkisch bestehen und Carnuntum sind Weißweine, die dominant (mindestens 2/3) aus Grünem Veltliner und/oder Burgundersorten bestehen. Das klingt vage, schmeckt aber eindeutig. Essentiell: diese Regelung gilt für alle drei Stufen – Gebietswein, Ortswein und Einzellagenwein.

Bei der Definition der Ortsweine haben die Carnuntiner ebenfalls weise gehandelt und sich auf sechs Terroirs geeinigt, die eindeutigen Charakter haben:

  • Göttlesbrunn: Lehm- und Schotterböden, sowie partiell Lösshänge und eine kühler Hauch von den nahen Waldrändern sorgen für saftige Würze.
  • Höflein: Quarzreicher Terrassenschotter vom einstigen Talboden der Donau, darüber eine Lehmauflage und große Tag- und Nachtunterschiede garantieren markante Rassigkeit.
  • Stixneusiedl: Eine dicke Lössschichte verleiht den Weinen filigrane Eleganz und kühle Frische
  • Petronell: feinkörnige Löss- und Schotterböden sowie die kühlende Donau bringen knackig-fruchtige Weine hervor
  • Hainburg: Granit- und Gneissböden generieren feingliedrige würzige Weine
  • Prellenkirchen: karger Kalkboden und starke Windexposition bringen unverwechselbare Finesse und straffe Struktur

Die Einzellagenweine wiederum müssen die Charakteristik des jeweiligen Orts in höchste Qualitätskategorien tragen.

Die Riedenkarte der Rubin Carnuntum Weingüter zum Anschauen und Downloaden


Carnuntum-Präsentation

Auch wenn die neue Verordnung erst mit dem Weinjahrgang 2019 verpflichtend ist, setzten die Winzer die Richtlinien schon bei der Abfüllung des Rotwein-Jahrgangs 2017 um. Man hatte ja im Frühling 2019 längst alles entschieden und vorbereitet – nur war dann kurzfristig die Regierung abhanden gekommen und die verordnungsgebende Unterschrift konnte vor der Sommerpause nicht mehr erfolgen.

Dennoch: Am 4. November präsentieren die Carnuntiner ihre neuen Weine, die in Nomenklatur und Stilistik schon ganz dem neuen System entsprechen. Das einzige was fehlt ist das kleine Kürzel DAC auf dem Etikett. Die Carnuntiner nehmen es gelassen. Nach 16 Jahren Vorbereitung kommt es auf ein weiteres auch nicht mehr an.

4. November 2019
MAK – Säulenhalle des Museums für Angewandte Kunst
Fachverkostung: 16 bis 17 Uhr
Publikumspräsentation: 17 bis 21 Uhr

Anmeldung zur Fachverkostung bei Marcus Krall: carnuntum@wine-partners.at

Fotoverzeichnis:
Der Göttlesbrunner Rosenberg, eines der internationalen Aushängeschilder von Carnuntum. © Rubin Carnuntum Weingüter/ Robert Herbst

Alles aus einem Guss: Die Herkunftspyramide in Carnuntum

Sechs Ortsweingebiete, jede mit einer eigenen Charakteristik.

39 Rieden auf einen Blick: DIe Riedenkarte der Rubin Carnuntum Weingüter