Weinbau im antiken Carnuntum

Wein im eigentlichen Sinne wird aus der veredelten Kulturrebe (vitis vinifera) gewonnen. Nach heutigem Forschungsstand könnte der Übergang von der wilden zur kultivierten Weinrebe bereits 5000 v. Chr. stattgefunden haben. Im 2. Jh. v. Chr. verbreitete sich die Kultur des Weinbaus vom Vorderen Orient  über Kreta und Griechenland nach Oberitalien. Daneben brachten die Griechen die Weinkultur über das Meer nach Unteritalien, Spanien, Nordafrika und Südfrankreich. Griechen und Etrusker vermittelten die Kenntnis von Wein dann in keltischer Zeit nach West-, Mittel- und Nordeuropa. Dabei handelte es sich aber vorerst nur um Handelsbeziehungen. Der Wein und die zu seinem Genuss bevorzugten Trinkgefäße wurden aus dem Mittelmeerraum importiert. Für das 1. Jh. v. Chr. gibt es für den pannonischen Raum bereits archäologische Hinweise auf Anfänge des Weinbaus.

Innerhalb der Land- und Viehwirtschaft war der Weinbau bei den Römern der bei weitem einträglichste Erwerbszweig. Die Verbreitung des Weinbaus nach Norden verlangte aber produktionstechnische Unterschiede zur mediterranen Weinbewirtschaftung. Durch verschiedene Klimaumständen (besonders Frost) war der Weinbau hier mit einem viel höheren Arbeitsaufwand verbunden.

Kaiser M. Aurelius Probus (276- 282 n. Chr.) wird immer wieder als Schöpfer der Weinkultur in der Region bezeichnet. Tatsächlich setzte er für den Weinbau in den Nord- und Westprovinzen Erleichterungen gegenüber früheren gesetzlichen Beschränkungen durch.

Zu den einzelnen Rebsorten im antiken Carnuntum lassen sich keine exakten Angaben machen. Wahrscheinlich ist ein Nebeneinander von weißen und roten Sorten (vinum album bzw. vinum atrum). Bei der Weinlese wurden die Trauben bei voller Reife mit der Hand gepflückt bzw. mit dem Rebmesser abgeschnitten und in Körben gesammelt. Zahlreiche solcher Rebmesser aus Eisen wurden auch in Carnuntum gefunden und sind im Archäologischen Museum Carnuntinum in Bad Deutsch-Altenburg zu sehen. 

Auch verschiedene andere bei der Arbeit eingesetzte Werkzeuge wie Spaten und zweizinkige Hacken haben sich in Carnuntum erhalten. Die besten Trauben wurden als Speisetrauben aussortiert und auf Märkten verkauft. Der überwiegende Teil der Trauben wurde in große Bottiche geleert, in die Kelterhäuser gebracht und von einem oder mehreren Männern mit nackten Füßen gestampft. Dieser Vorgang heißt lateinisch „calcare“(=Treten), aus dem sich dann das deutsche Lehnwort „keltern“ entwickelt hat. Natürlich wurde auf entsprechende Hygiene in diesen Tretbottichen geachtet. Der dritte Schritt schließlich war das Auspressen der ausgetretenen Trauben in einer Presse. Nach der Kelterung wurde der Most in bauchigen Gärfässern aus Ton gelagert, die mit einem flachen Deckel mit Henkel verschlossen und anschließend im Garten oder Keller eingegraben wurden. Im Alpenraum und in Pannonien wurden vor allem Holzfässer verwendet.

Im Frühjahr wurde der Wein dann in Amphoren umgefüllt. Diese wurden mit einem Tonpfropfen verschlossen und mit Gips oder Pech verklebt. Damit waren sie weitgehend luftdicht abgeschlossen. Stöpsel aus Korkeiche waren zunehmend seit dem 1. Jh. v. Chr. in Gebrauch. Amphoren und Lagerungskrüge trugen in der Regel ein aufgemaltes Etikett mit der Angabe von Weinsorte und dem Konsulatsjahr, in welchem der Wein gekeltert worden war.

Da der Wein als Grundnahrungsmittel aller Bevölkerungsschichten zu den Massengütern gehörte, war er eines der Haupthandelsgüter im Imperium Romanum. Den Handel besorgten Weinhändler, von denen viele durch Inschriften namentlich bekannt sind. Der Transport erfolgte nach Möglichkeit per Schiff oder ansonsten auf dem Landwege. Dies zeigen eindrucksvoll Darstellungen auf Steindenkmälern, wo mit Fässern beladene Weinschiffe, Wagen und Karren zu sehen sind.

Weinbau im antiken Carnuntum © Archäologischer Park Carnuntum